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IT- und Softwareforschung im Südwesten
Baden-Württemberg ist eine Forschungshochburg. Bereits Anfang der 70er Jahre hat das Land Forschungsgelder in den Ausbau der Informationswissenschaften und insbesondere der Informatik gesteckt. Heute ist Baden-Württemberg eines der Kernländer der Informations- und Kommunikationstechnik in Deutschland. Dank der intensiven Zusammenarbeit von 70 Hochschulen, weit über 100 außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft zählt das Land zu den dynamischsten und innovativsten Technologieregionen nicht nur in Deutschland und innerhalb der gesamten europäischen Union, sondern auch innerhalb der Europäischen Region.
| Informatikfakultäten liegen vorne |
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Ein Viertel der Forschungskapazität deutscher Großforschungseinrichtungen ist in Baden-Württemberg angesiedelt, darunter das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg sowie Einrichtungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart und Lampoldshausen.
Spitze: Baden-Württembergs Universitäten
Zu den herausragenden Einrichtungen der Forschungslandschaft zählen die neun Universitäten des Landes. Die Universitäten Karlsruhe, Heidelberg, Freiburg und Konstanz wurden im Zuge der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder für ihre Zukunftskonzepte mit dem Titel „Eliteuniversität“ ausgezeichnet. Damit stellt Baden-Württemberg fast die Hälfte der Top-Universitäten in Deutschland. Die Universität Karlsruhe und das Forschungszentrum Karlsruhe gründeten in diesem Kontext das „Karlsruher Institut für Technologie” (KIT), das sich als eine der größten natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen in Europa auf die Themen Mikro- und Nanotechnologie, Wissenschaftliches Rechnen sowie die Materialforschung für den Energiebereich fokussiert.
Zudem werden an sieben Universitäten des Landes Exzellenzcluster gefördert, um Forschungseinrichtungen zu etablieren und international bekannt zu machen. So erforschen Wissenschaftler der Universität Stuttgart im Exzellenzcluster „Simulation Technology“ Methoden, mit denen sich beispielsweise Bandscheibenoperationen oder die Fabrik der Zukunft virtuell planen lassen. Mit dem Höchstleistungsrechenzentrum hat die Universität Stuttgart 1995 außerdem das erste deutsche Bundeshöchstleistungsrechenzentrum gegründet, das weltweit auf große Beachtung stößt.
Produktorientierte Anwendungsforschung betreiben die 23 Fachhochschulen im Land. Informatiker an der Hochschule Karlsruhe suchen beispielsweise nach Wegen, um Software automatisch zu generieren oder erforschen mit Hilfe dreidimensionaler Visualisierungen die Rissbildung in Materialstrukturen. Die Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart versteht sich mit ihren praxisnahen Projekten als Full-Service-Hochschule für die Medienforschung. An der Hochschule Furtwangen entwickelt das Zentrum für Mikrotechnik und Systemintegration Mikrostrukturelemente, -sensoren und -aktoren, die in winzigen mechanischen Bauelementen oder optischen Systemen zum Einsatz kommen. An den Themen Automatisierung und IT-Sicherheit arbeitet man unter anderem an der Hochschule Ulm.
Exzellente Voraussetzungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs bieten die neun Graduiertenschulen - unter anderem zum Thema „Mathematical and Computational Methods for the Sciences“ an der Universität Heidelberg, wo nach neuen Wegen auf dem Gebiet des wissenschaftlichen Rechnens gesucht wird.
Gut positioniert ist Baden-Württemberg auch durch die Beteiligung an mehr als 40 Sonderforschungsbereichen (SFB) der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In diesen Einrichtungen arbeiten Wissenschaftler fächer- und teilweise regionenübergreifend an innovativen Zukunftsthemen. So entwickeln Wissenschaftler der Universität Karlsruhe „Humanoide Roboter“, menschenähnliche Hightech-Helfer, die lernfähig sind und uns künftig bei Alltagstätigkeiten unterstützen sollen. Ein transregionaler SFB an der Uni Ulm untersucht, wie sich die Kommunikation zwischen Menschen und technischen Systemen verbessern lässt. |
| Innovative Technologien am Fraunhofer IAO |
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Der Sprung in die Praxis
Eng vernetzt mit den Hochschulen und der Wirtschaft arbeiten die privaten Forschungseinrichtungen. In Baden-Württemberg sind zwölf Einrichtungen der Max-Planck-Gesellschaften sowie 15 von 56 Fraunhofer-Instituten angesiedelt. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart entwickelt Technologien für das Management von Arbeits- und Geschäftsprozessen und stellte unter anderem die weltweit erste Sechsseiten-Cave zur dreidimensionalen Visualisierung von Produktionsprozessen vor. Das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe lotet die Potenziale neuer Technologien aus und geht der Frage nach, wie die IT- und Medienwelt im Jahr 2020 aussieht.
Ein eigenes eHealth-Lab bietet die Universität Hohenheim. Das Labor forscht an der Übertragung innovativer Technologien in das Gesundheitswesen. Das Forschungszentrum Informatik (FZI) in Karlsruhe bündelt in seinem HealthCare Competence Center (HC3) die in den einzelnen Forschungsbereichen vorhandenen Querschnittstechnologien und -kompetenzen. Das HC3 bietet speziell für kleine und mittelständische Unternehmen eine Informationsschnittstelle für Anwendungen und Systemlösungen im Gesundheitsbereich. Dazu gehören interaktive Diagnose- und Servicesysteme, medizinische Informations- und Softwaretechnik sowie Wissensmanagement.
Auch eine Vielzahl der über 700 transferorientierten Unternehmen und Institute des Steinbeis-Verbundes sind in Baden-Württemberg ansässig. So befasst sich beispielsweise das Steinbeis-Transferzentrum Softwaretechnik in Esslingen mit dem Systemdesign beim Aufbau von Rechenzentren, Kommunikations- oder Automatisierungssystemen und kooperiert dabei mit der Hochschule Esslingen. Das European Media Laboratory (EML) entwickelt gemeinsam mit industriellen Partnern sowie universitären und außeruniversitären Forschungsinstituten IT-Systeme, die die Benutzer nicht als technische Barrieren sondern als hilfreiche Erweiterungen ihrer eigenen Fähigkeiten erleben.
Belebt wird die gut ausgebaute Forschungsinfrastruktur durch zahlreiche Forschungsstätten der Industrie. Ein Institut der industriellen Gemeinschaftsforschung ist das Institut für Mikro- und Informationstechnik (HSG-IMIT) der Hahn-Schickard-Gesellschaft in Villingen-Schwenningen. Aber auch die Industrieunternehmen selbst, allen voran Großunternehmen wie Daimler, Porsche, Bosch, SAP, Alcatel-Lucent oder IBM, betreiben bedeutende Forschungszentren in der Region. |
| IT als Querschnittstechnologie |
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Fokus auf Schlüsseltechnologien
Um die Erforschung innovativer Schlüsseltechnologien zu intensivieren und zu beschleunigen, wurden in der vergangenen Jahren verschiedene Forschungscluster und -schwerpunkte eingerichtet. So war beim Spitzenclusterwettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die Metropolregion Rhein-Neckar unter anderem mit dem Cluster „Forum Organic Electronics“ erfolgreich, in dem Wissenschaftler aus den Disziplinen IT, Chemie, Maschinen- und Anlagenbau, Elektro- und Medizintechnik zusammenarbeiten. Automobil- und Softwarehersteller haben sich im Automotive Simulation Center Stuttgart (ASCS) mit der Universität Stuttgart zusammengetan, um Simulationsmethoden für die Erforschung leiserer und spritsparender Fahrzeuge voranzubringen.
Visual Computing liegt im Trend
Software „made and researched“ in Baden-Württemberg belegt auch in den Trendbereichen Animation und Simulation die vorderen Plätze. Das Institut für Animation, Visual Effects und Postproduktion der Filmakademie Ludwigsburg entwickelt in externen Projekten mit Partnern aus Institutionen, Produktionsfirmen und Rundfunksendern wissenschaftliche Animationsfilme. Die Animationstechnik erfüllt dabei nicht nur reine Unterhaltungszwecke; sie kommt verstärkt als Visualisierungsinstrument in Wissenschaft und Industrie zum Einsatz. Im ersten deutschen Zentrum für Modellierung und Simulation in den Biowissenschaften (BIOMS) in Heidelberg beispielsweise werden Modellierung und Computersimulationen zur Erforschung biologischer Systeme eingesetzt.
Die Grafische Visualisierung spielt zudem in der industriellen Produktentwicklung eine entscheidende Rolle, beispielsweise bei der Simulation von komplexen Materialeigenschaften. Am Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb (IFF) der Universität Stuttgart liegt ein wesentlicher Forschungsschwerpunkt in der Modellierung und Simulation von technischen Vorgängen. Animation und Visualisierung sind das technische Werkzeug für die Digitale Fabrik der Zukunft, in der Fertigungsprozesse automatisiert ablaufen.
Die Querschnittstechnologien Simulation und Visualisierung stehen auch im Mittelpunkt des von der MFG Baden-Württemberg initiierten Clusters „Visual Computing Baden-Württemberg“, an dem unter anderem die Universitäten Konstanz und Stuttgart, die Hochschule Karlsruhe, die Filmakademie Ludwigsburg sowie zahlreiche IT-Firmen beteiligt sind. |
Ausgezeichnete Netzwerke
Zu den Aktivitäten des Clusters Visual Computing zählt der Gedankenaustausch im Rahmen bekannter Kongresse wie dem Heidelberger Innovationsforum. Die Besonderheit dieser von der MFG Baden-Württemberg initiierten Plattform für den Transfer marktnaher Forschung besteht darin, bereits in frühen Phasen der Produktentwicklung unternehmerische Forscher mit Entscheidern aus Wirtschaft- und Kapitalszene zusammenzubringen. Darüber hinaus hat sich die MFG als Innovationsagentur des Landes neben der Standortförderung auch die Netzwerkbildung auf die Fahne geschrieben. Zudem initiiert die MFG selbst Forschungsprojekte wie etwa im Rahmen der FAZIT-Forschung oder das Projekt FITT (Fostering Interregional Exchange in ICT Technology Transfer) zur Beschleunigung des Technologietransfers.
Auch die Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected (bwcon), die 2008 von der Bundesregierung als bestes deutsches Innovationsnetz ausgezeichnet wurde, ist im Forschungstransfer zwischen Wissenschaft und Industrie aktiv. Durch verschiedene Programme und Veranstaltungen werden technologische Trends herausgearbeitet und Kontakte zwischen Forschern und Anwendern vorangetrieben.
Nachwuchsförderung wird groß geschrieben
Um den Spitzenplatz in der IT- und Medienforschung zu sichern und weiter auszubauen, setzt die Forschungsförderung in Baden-Württemberg gezielt auf den Nachwuchs. So bieten öffentliche und private Träger eine Vielzahl an Stipendien und (Post-)Graduierten-Programmen an. Im Bereich IT und Medien fördert das von der MFG Baden-Württemberg initiierte Karl-Steinbuch-Stipendium innovative und interdisziplinäre Ideen mit IT- und Medienbezug. Neu ist das Programm COACHING 4 FUTURE der Landesstiftung Baden-Württemberg, das Schülerinnen und Schüler, Hochschulen und die Wirtschaft vernetzen will, um dem Nachwuchsmangel in den naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen entgegenzuwirken. Damit schon Kinder und Jugendliche zu einem kompetenten Umgang mit den Medien angeregt werden, hat die Stiftung Medienkompetenz Forum Südwest den Förderpreis Medienpädagogik ins Leben gerufen. |
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