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Social Software in der Wertschöpfung
19.7.2006

 

Über Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung durch den Einsatz von Social Software-Anwendungen in Unternehmen diskutierten 25 Forscher am 18. Juli 2006 bei der MFG Baden-Württemberg im Rahmen des Forschungsprojektes FAZIT. Betriebswirtschaftler, Informatiker, Soziologen und Kommunikationswissenschaftler nutzten die Veranstaltung, um Forschungsthesen über Einsatzpotenziale und Nutzen von Wikis, Blogs, Bookmarks und Podcasts in Unternehmen auszutauschen und ihre Barrieren und Risiken zu diskutieren.

 

Keynotespeaker Prof. Komus zum Organisationswandel durch Social Software
Social Software als Motivationstreiber

Prof. Dr. Ayelt Komus, Professor für Wirtschaftsinformatik und ABWL an der FH Koblenz betonte, dass Social Software-Anwendungen Mitarbeiter motivieren, sich mit ihrem Wissen und ihren Ideen aktiv an der Unternehmensgestaltung zu beteiligen. Dies wird begünstigt durch die leichte Benutzerführung, den informellen Kommunikationsstil und die Erstellung von Inhalten kollaborativ mit anderen Kollegen. Durch die transparenten Kommunikationsstrukturen und die Bündelung von Wissen lassen sich unterschiedliche Prozesse innerhalb eines Unternehmens optimieren, was sich letztendlich auch auf die Produktivität der  Mitarbeitern positiv auswirkt.

Kosumenten sind gleichzeitig Produzenten

Dr. Dennis Mocigemba von der International University Bremen zufolge erfordert die Nutzung von Social Software eine dreifache Aktivität: Mitarbeiter können als Mitproduzenten Informationen einspeisen, die Relevanz von Inhalten prüfen und eigenständig selektieren, was  Professor Komus als die „Verschmelzung von Produzenten und Konsumenten“ bezeichnet. Welche Auswirkungen dies hat, beispielsweise auf die Produktentwicklung oder im Innovations- und Changemanagement, sind überwiegend noch nicht erforscht. Doch mit Unternehmenswikis und Corporate Blogs können Konsumentenbedürfnisse erkannt und ihre Realisierungsmöglichkeiten diskutiert werden. Wissenschaftler der Universität Mannheim nutzen Wikis bereits erfolgreich in der Softwareentwicklung, um kollaborativ und komponentenbasiert Unternehmenssoftware für den Finanzdienstleistungsbereich von Baden-Württemberg zu erarbeiten.  

 

Interdisziplinäre Wissenschaftler aus ganz Deutschland
Herausforderungen für Unternehmen

Neben ausreichender Medienkompetenz der Mitarbeiter, einer umfassenden Qualitätssicherung der eingestellten Wiki-Artikel und Blogeinträge sind vor allem innovative Organisationsansätze Basis für den erfolgreichen Einsatz von Social Software im Unternehmen. Voraussetzung hierfür ist eine innovative Unternehmenskultur mit vertrauensvollen Strukturen und die Identifikation der Mitarbeiter mit der Philosophie und den Zielen des Unternehmens.

Die Potenziale eines Einsatzes von Social Software in Institutionen und Unternehmen ist  bislang erst ansatzweise erkannt. Einig ist man sich weitgehend in der Einschätzung, dass diese neuen Informations- und Medientechnologien nicht nur zur effektiveren und intensivierten Kommunikation mit Stakeholdern und Kunden genutzt werden können, sondern auch zum Wissensaustausch oder für Innovationsimpulse sowie zum verteilten Arbeiten in komplexen Projekten.

 

Moderator Dr. Dennis Mocigemba fasst die Ergebnisse des Workshops zusammen.
Herausforderungen für die Forschung

Fundierte empirische und konzeptionelle Analysen zum Thema Social Software in der Wertschöpfung stehen allerdings noch aus. Ein schwieriges Thema ist beispielsweise die Messung des Returns On Investment. Gleichermaßen diskussionswürdig bleiben Fragen, etwa ob die Produktivität der Mitarbeiter letztendlich durch den Einsatz neuer elektronischer Kommunikationsmedien zunimmt oder inwieweit Social Software neue Kontrollmöglichkeiten und Zwänge schafft. Auch die Antwort auf die Frage, wie und unter welchen Bedingungen Social Software-Anwendungen in einer produktivitätssteigernden  Weise von den Beschäftigten in den Unternehmen tatsächlich auch angenommen und genutzt werden, ist derzeit vor allem noch Spekulation.

 




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